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Entgiftung ist keine Kur

    „Gib dem Pferd das vier Wochen, und es ist von Giften befreit“ – Werbeversprechen wie dieses stören Denise Schäfer regelmäßig. In dieser Folge von „Pferde, Schäfer und Menschen“ erklärt sie, warum Entgiftung kein Reinigungsprogramm mit Ablaufdatum ist, sondern ein Prozess, der in jeder Körperzelle dauerhaft stattfindet – und warum der Begriff „Biotransformation“ die Sache eigentlich besser trifft.

    Entgiftung passiert ununterbrochen, nicht auf Knopfdruck

    Jede Zelle des Körpers ist ständig damit beschäftigt, Stoffe umzuformen, zu nutzen und über Blut, Darm und Leber auszuscheiden. Biotransformation bedeutet: Der Körper nimmt körpereigene Abfallprodukte oder Fremdstoffe auf und macht sie ausscheidungsfähig. Diese Fremdstoffe sind heute deutlich zahlreicher als noch vor 70 Jahren – Pestizide, Mikroplastik, Medikamentenrückstände und Schimmeltoxine kommen über Wasser, Luft, Futter und Böden hinzu. Ist der Körper gesund, mit funktionstüchtiger Leber und funktionstüchtigem Darm, bewältigt er das größtenteils selbst.

    Die vier Phasen der Biotransformation

    Der größte Denkfehler in der Praxis: Prozesse werden angestoßen, ohne sie zu Ende zu denken. Toxine werden mobilisiert, aber nicht gebunden. Grob lassen sich vier Phasen unterscheiden: In Phase 1 werden Stoffe in der Zelle aktiviert (der Körper braucht dafür unter anderem Zink, Selen und Vitamin B6). Phase 2 macht sie wasserlöslich, wobei das körpereigene Antioxidans Glutathion eine zentrale Rolle spielt. In Phase 3 werden die Stoffe aus der Zelle transportiert. Phase 4 – Bindung und Ausscheidung, meist über den Darm – wird zwar oft durch Produkte wie Gesteinsmehle unterstützt, deckt aber nur einen Teil ab: Toxine sammeln sich nicht nur im Darm, sondern auch im Blut und im Bindegewebe.

    Werden nur die ersten Phasen angeregt, etwa durch hochdosierte Gabe von Zink oder Selen, ohne dass am Ende ausreichend gebunden und ausgeschieden wird, können bei hoher Belastung Giftstoffe freigesetzt werden, die den Körper zusätzlich belasten – erkennbar unter anderem an Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Hautproblemen.

    Toxinbinder sind sinnvoll, aber keine Universallösung

    Es gibt kein Mittel, das „einfach alle Giftstoffe bindet“. Zeolith und Bentonit wirken vor allem im Darm und binden etwa Ammoniak und Histamin, Chitosan oder Pektine wiederum andere, aber ebenfalls nicht alle Toxine. Ohne zu wissen, welche Belastung im Körper vorrangig vorliegt – beim Pferd häufig Schimmelpilzgifte, Stoffe aus dem Trinkwasser, Mikroplastik, Schwermetalle oder Pflanzenschutzmittel – lässt sich auch nicht sagen, welcher Binder überhaupt sinnvoll ist. Zeigt ein Bindemittel keine Besserung, heißt das nicht automatisch, dass es schlecht ist – möglicherweise war es einfach nicht das passende für die konkrete Belastung.

    Erst die Basis stabilisieren

    Bevor ein Entgiftungsprotokoll beginnt, lohnt sich der Blick auf die Grundlagen: Funktioniert der Darm, ist das Mikrobiom intakt? Wie arbeitet die Leber – sie kann sich im Gegensatz zur Niere gut regenerieren. Bemerkenswert dabei: Nierenwerte im Blut zeigen sich oft erst auffällig, wenn die Niere bereits rund 70 Prozent ihrer Funktion verloren hat. Unauffällige Werte schließen eine bestehende Belastung also nicht aus. Auch Bewegung ist ein oft unterschätzter Faktor, um den Stoffwechsel anzuregen.

    Ist das System überfordert, weicht der Körper häufig über die Haut aus – sichtbar etwa an Ekzemen. Bei Hautproblemen beim Pferd lohnt sich deshalb der Blick auf Darm und Leber, wobei andere Ursachen wie Parasiten immer mitgedacht werden sollten.

    Fazit

    Entgiftung lässt sich nicht in vier Wochen abschließen, weil sie nie aufhört. Wer gezielt vorgehen möchte, sollte zunächst klären, welche Belastung überhaupt vorliegt, etwa über eine Fell- oder Haarmineralanalyse, statt unspezifisch Toxinbinder einzusetzen. Die Basis – ein stabiler Darm, eine leistungsfähige Leber und ausreichend Bewegung – bleibt dabei die eigentliche Grundlage jeder Biotransformation.

    Pferd in der Behandlung

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    Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Entgiftung ist keine Kur“