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Eisenüberschuss beim Pferd: Ein unterschätztes Stoffwechselthema

    Wenn es um Mineralstoffe geht, denken die meisten Pferdebesitzer zuerst an einen möglichen Mangel. Bei Eisen ist beim Pferd meist das Gegenteil der Fall: Statt eines Defizits liegt in der Praxis viel häufiger ein Überschuss vor – ein Thema, das laut Denise Schäfer in der Pferdefütterung noch zu wenig Beachtung findet.

    Der Bedarf ist über das Grundfutter meist schon mehr als gedeckt

    Ein 500-Kilo-Pferd benötigt etwa 400 Milligramm Eisen täglich, ein 600-Kilo-Pferd je nach Belastung 480 bis über 600 Milligramm. Diese Menge liefert normalerweise schon das Heu allein: Typische Heuanalysen zeigen 200 bis 300 Milligramm Eisen pro Kilo Trockensubstanz, teils deutlich mehr. Bei 10 Kilo Heu am Tag mit 200 Milligramm Eisen pro Kilo kommt ein 500-Kilo-Pferd bereits auf 2000 Milligramm – eine vierfache Versorgung. Selbst bei vergleichsweise niedrigen Heu-Eisenwerten liegt man in der Regel noch im Bedarfsbereich. Ein echter Eisenmangel ist beim erwachsenen Pferd entsprechend selten und tritt praktisch nur bei größerem Blutverlust durch Verletzung oder schwere Erkrankung auf.

    Interessant ist der Kontrast zum Menschen: Gerade Frauen sind häufig von Eisenmangel betroffen, unter anderem durch Menstruation oder eine gestörte Darmgesundheit – während beim Pferd der Überschuss das eigentliche Problem ist.

    Wie sich ein Überschuss im Körper auswirkt

    Wird über längere Zeit zu viel Eisen aufgenommen, kann der körpereigene Regulationsmechanismus überfordert werden. Eisen lagert sich dann im Gewebe ab – unter anderem in Leber, Herz und Hypophyse. Ein Eisenüberschuss steht deshalb im Verdacht, PPID (Cushing beim Pferd) zu begünstigen, da Ablagerungen in der Hypophyse deren Funktion beeinträchtigen können. Auch die Bauchspeicheldrüse kann betroffen sein, was die Insulinbildung stört – ein Faktor, der mit gestörter Insulinsensitivität und endokriner Hufrehe in Verbindung gebracht wird, besonders wenn gleichzeitig Entzündungen im Körper vorliegen.

    Hinzu kommt der sogenannte Mineralstoffantagonismus: Hohe Eisenmengen können die Aufnahme von Zink, Kupfer, Mangan, Phosphor und Calcium beeinträchtigen. Das Pferd kann also ausreichend mit diesen Spurenelementen versorgt sein und trotzdem funktionelle Mängel entwickeln, weil zu viel Eisen im System die Aufnahme blockiert. Aus der Humanmedizin ist mit der Hämochromatose eine vergleichbare Eisenspeichererkrankung bekannt, die häufig mit Gelenkschmerzen einhergeht – ein weiterer Baustein in Denises Sichtweise, dass Arthrose in erster Linie keine reine Verschleißerkrankung, sondern eine Stoffwechselthematik ist.

    Die Hauptquellen: Heu und Brunnenwasser

    Neben dem ohnehin schon eisenreichen Heu ist Brunnenwasser eine der Hauptquellen für Eisenüberschüsse. Anzeichen dafür sind rostige Ablagerungen im Wasserbecken, ein metallischer Geschmack oder – bei langanhaltendem Überschuss – leicht rostfarbene Fellspitzen. Da Großpferde täglich 30 bis 50 Liter trinken, kann eisenhaltiges Brunnenwasser einen erheblichen Beitrag zur Gesamtbelastung leisten. Teststreifen geben eine erste Orientierung, eine Laboranalyse liefert verlässlichere Werte – oft zeigt sich dabei auch erhöhtes Nitrat aus landwirtschaftlicher Nutzung.

    Studien, unter anderem von Nielsen (2012), deuten auf einen Zusammenhang zwischen Eisenspeicher und Insulinresistenz hin – ein Zusammenhang, der auch aus der Humanmedizin bekannt ist. Wichtig dabei: Insulinresistenz und chronisch stille Entzündungen sind kein reines Übergewichtsthema, weder beim Menschen noch beim Pferd. Auch schlanke Tiere und Menschen können betroffen sein.

    Fazit

    Eisen ist kein grundsätzlich schlechtes Spurenelement – es ist für Sauerstofftransport, Enzymfunktionen und Energiestoffwechsel unverzichtbar. Entscheidend ist das Gleichgewicht. Wer unsicher ist, ob sein Pferd über Heu und Wasser zu viel Eisen aufnimmt, kann mit einer Heu- und Wasseranalyse für Klarheit sorgen, statt zusätzlich ungeprüft Mineralfutter mit weiteren Zusatzstoffen zu ergänzen.

    Pferd in der Behandlung

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    Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Eisenüberschuss beim Pferd“