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Was „ganzheitlich“ in der Pferdetherapie wirklich bedeutet

    „Ganzheitlich“ gehört zu den wichtigsten, aber auch abgenutztesten Begriffen in der Pferdetherapie. In dieser Folge von „Pferde, Schäfer und Menschen“ ordnet Denise Schäfer ein, was der Begriff für sie persönlich bedeutet – und wie sich Fachspezialisierung und ganzheitlicher Blick miteinander vereinbaren lassen.

    Warum rein lokale Arbeit heute nicht mehr reicht

    Vor 40 bis 50 Jahren kam man als Therapeut mit einer rein physiotherapeutischen oder osteopathischen Behandlung oft weiter als heute. Haltung, Fütterung und Umweltfaktoren haben sich seither stark verändert und neue Stressoren geschaffen. Wer langfristig Gesundheit erreichen will, statt nur Symptome zu behandeln, muss deshalb immer wieder nach der Ursache der Ursache fragen.

    Bereits innerhalb der Osteopathie und Physiotherapie steckt ein ganzheitlicher Blick: Nerven, Liquorfluss, Faszienzüge und viszerale Zusammenhänge werden mitgedacht, statt nur eine einzelne Schwachstelle zu behandeln. Für Denise geht der eigene Ansatz aber noch weiter – ohne dabei die fachliche Tiefe der eigenen Spezialisierung aufzugeben.

    Wahrnehmung als Werkzeug

    Ein zentraler Baustein: die eigenen Sinne bewusst einsetzen. Schon beim Aussteigen aus dem Auto an einem Stall nimmt Denise die Atmosphäre wahr – Stress in der Herde, Unruhe beim Füttern, Futteraggression. Solche Beobachtungen können auf ein Bestandsproblem hindeuten, das über das einzelne Pferd hinausgeht. Voraussetzung dafür ist, Stille aushalten zu können und zunächst die eigene Wahrnehmung zu schulen, bevor sich das Außen richtig einordnen lässt.

    Auch der Stall selbst verrät viel: genug Platz und Liegeflächen, die Qualität von Heu und Stroh, Lärm und Durchgangsverkehr, wer der Boxennachbar ist. Selbst ohne Heuanalyse lässt sich ein auffälliger Silage- oder Schimmelgeruch beim Öffnen der Stalltür wahrnehmen – einfache Sinneseindrücke, die sich gut in die Beurteilung einbeziehen lassen.

    Der Pferdebesitzer gehört mit in den Blick

    Ganzheitliche Arbeit endet für Denise nicht beim Pferd. Die Qualität des Horsemanships, die emotionale Verfassung des Besitzers und die reale Lebenssituation fließen mit ein: Eine Mutter mit wenig Zeit bekommt keine aufwendige Übungsroutine, sondern eher den Auftrag, einfach mehr spazieren zu gehen. Aufklärung spielt dabei eine große Rolle – Wissen beruhigt verunsicherte Besitzer, während gefährliches Halbwissen oft zusätzliche Sorge erzeugt.

    Auch ungewöhnliche Stressoren zählen

    Elektromagnetische Felder unter Hochspannungsleitungen, starke Pestizidbelastung durch landwirtschaftliche Nutzung oder die Nachbarschaft zu einem Mastbetrieb – all das können Pferde wahrnehmen und als Stressoren verarbeiten. Manche Pferde sind dabei deutlich sensibler als andere, nicht weil sie weniger belastbar wären, sondern weil sie besonders viele Reize gleichzeitig verarbeiten.

    Fazit

    Ganzheitliches Arbeiten ist für Denise kein fertiges Konzept, sondern ein Prozess, der sich mit der eigenen Erfahrung weiterentwickelt. Wer am Anfang der eigenen Laufbahn steht, muss nicht sofort alles können – das eigentliche Lernen beginnt erst nach der Ausbildung. Entscheidend ist, mit vollem Fokus und allen Sinnen präsent zu sein, statt zu verkopft an die Behandlung heranzugehen.

    Pferd in der Behandlung

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    Quelle: Podcast „Pferde, Schäfer und Menschen“ – Folge „Was ‚ganzheitlich‘ in der Pferdetherapie wirklich bedeutet“