Ein Pferd, das trotz mehr Futter dünner wird. Ein Sattel, der einfach nicht passen will, obwohl zwei erfahrene Sattler daran gearbeitet haben. Zwei Probleme, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben – bis man genauer hinschaut.
Denise Schäfer, Pferdeosteotherapeutin mit fast 20 Jahren Praxiserfahrung, hat genau diesen Fall kürzlich in einem Video aufgearbeitet – zu sehen direkt im Anschluss. Wir haben ihn hier auch als Text festgehalten, weil er unsere Herangehensweise an Pferde gut demonstriert: mit möglichst vielen verschiedenen Brillen, statt mit nur einem Werkzeug.
Zwei Sattler, kein Erfolg
Eine 15-jährige Iberer-Stute wurde Denise vorgestellt – schlapp, mit deutlichem Gurt- und Sattelzwang. Sobald die Reiterin aufsaß, wurde sie unruhig und lief los. Nach einem Stallwechsel war sie zunehmend dünner geworden. Die Besitzerin hatte reagiert, wie die meisten von uns reagieren würden: mehr füttern. Ein Seniorenmüsli, dann noch etwas Hafer dazu.
Nur: Iberer sind eigentlich darauf ausgelegt, mit sehr wenig auszukommen. Dass dieses Pferd trotzdem abnahm, war schon der erste Grund, dass man genauer hinschauen muss, statt einfach mehr Futter zu geben.
Auch das Sattelproblem war naheliegend anzugehen: Zwei Sattler waren im Einsatz, beide haben gute Arbeit geleistet. Trotzdem blieb der Gurtzwang. Die Ursache: Das Pferd war schlicht nicht tragfähig genug – der Brustkorb hing durch, die Halsbasis war blockiert. Auf einen Rücken, der so stark eingesackt ist, passt kein Sattel wirklich gut – egal wie gut die Anpassung ist. Erst als das Pferd durch gezielte Bodenarbeit wieder Tragkraft aufgebaut hatte, konnte der Sattel erfolgreich angepasst werden.
Der Punkt dahinter:
Weder das Futterthema noch das Sattelthema waren falsch angegangen – aber keins der beiden war die eigentliche Ursache. Genau deshalb lohnt es sich, bei jedem Pferd bewusst aus verschiedenen Richtungen zu schauen: Fütterung, Bewegungsapparat, Training, manchmal auch Zähne oder das vegetative Nervensystem.
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